Yogahaus Dresden | Blog

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Vor einigen Jahren hielt ich die Zeit für gekommen, um die Verleihung eines spirituellen Namens zu bitten. Ich hatte eine Weiterbildung bei Yoga Vidya in Bad Meinberg geplant. Bei der Gelegenheit sollte es geschehen.

Einige Wochen vorher tat ich Sukadev, dem Leiter von Yoga Vidya, per Mail meine Absicht kund. Ich gab mir große Mühe mit dieser Mail und habe ausführlich und in wohlgeformten Sätzen meine Bitte begründet. Die Mail war an Sukadev adressiert und sollte ihn schon etwas beeindrucken. Beantwortet wurde sie ganz lapidar von irgendeinem Yoga-Vidya-Mitarbeiter, was mich etwas enttäuschte.

Mit der Namensverleihung sollte eine Mantra-Weihe einhergehen. Während man auf die Verleihung des spirituellen Namens keinen Einfluss hat, kann man sich das Mantra aussuchen. Auch das machte ich mir nicht leicht. Es sollte etwas mit Sat-Chid-Ananda, Sein-Wissen-Glückseligkeit, sein. Das Mantra, für das ich mich entschied, war nicht leicht zu lernen. Ich büffelte es tagelang.

Bei Yoga Vidya gab es dann eine vorbereitende Veranstaltung für die Namensverleihung und Mantra-Weihe. Ich ging davon aus, dass sich nun doch Sukadev meiner ganz persönlich annehmen würde. Zu dieser Veranstaltung erschien ein auf mich sehr schlaksig wirkender Mitarbeiter, der dem Ganzen für mein Empfinden mit wenig Würde begegnete. Das war meine Enttäuschung Nummer 2. Die Enttäuschung Nummer 3 bestand darin, dass das von mir so mühsam erlernte Mantra leider nicht zur Auswahl stand.

Natürlich gab es im Vorfeld noch ein persönliches Gespräch mit Sukadev. Und die Zeremonie selbst durchdrang mich regelrecht. Sukadev schaute mir in die Augen und sagte: „Du bist Ravidas“. Dieser Moment hatte für mich etwas Glückseligmachendes. Dafür bin ich sehr dankbar.

Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass all meine Enttäuschungen vorher nichts anders waren, als Übungen in Demut. Sie sollten mir sagen: „Nimm Dich selbst nicht so wichtig. Lass es fließen. Sei bescheiden und vertraue.“ Die Lektion saß. 

Demut hat nichts mit Unterwürfigkeit zutun. Ganz im Gegenteil. Der Demütige handelt mit Würde, auch wenn er einer Person oder einer Sache dienlich ist. Er ist sich bewusst, dass all sein Denken und Handeln nur begrenzt sein kann und dass es letztendlich immer eine höhere Macht gibt, die über seinen Erfolg oder Misserfolg entscheidet. 

Diese höhere Macht meinte es bei meiner Namensverleihung sehr gut mit mir. Danke! Auch für die Enttäuschungen!


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