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Wenn ich morgens mein Bett mache, schießt mir seit einiger Zeit fast regelmäßig ein Gedanke in den Kopf: „Die einheitliche Unterbringung des Schlafanzuges“. Dabei handelt es sich um eine Regel, die vor 40 Jahren für mich Bedeutung hatte. Ich hatte gerade meinen Grundwehrdienst angetreten. Eine von vielen nicht nachvollziehbaren Dienstanweisungen war eben, dass alle Soldaten ihre Schlafanzüge an einem festen Platz in ihrem Bett zu deponieren haben. Aus heutiger Sicht erscheint das einfach nur absurd.
Das aber eigentlich Erschreckende ist, dass sich diese Regel immer noch in meinem Unterbewusstsein befindet und gelegentlich doch wieder zum Vorschein kommt. Und es wird nicht die einzige Regel dieser Art sein. 
Regeln bestimmen unser Leben. Sie sind wichtig. Sie erleichtern unser Leben und unser Zusammenleben. Die meisten Regeln wirken aus dem Unterbewusstsein heraus, und das daraus resultierende Handeln wird uns oftmals nicht einmal bewusst. Wir haben uns die Regeln vor allem über unsere kindliche Prägung angeeignet, aber auch aus dem Leben in den verschiedenen Gemeinschaften heraus. Sei es das Elternhaus, der Kindergarten, die Schule, der Freundeskreis, die Partnerschaft oder die Arbeitskollegen – überall herrschen Regeln, die wir verinnerlichen und die unser Handeln bestimmen.
Regeln können unbedeutend, ja sogar hinderlich werden. Nehmen wir die kindliche Prägung in den ersten sechs Lebensjahren: Als ich in dem Alter war, lebte mein Großvater in unserer Familie. Auch er hat Anteil an meiner Erziehung. Er wurde 1898 geboren. Einige seiner Lebensregeln, von denen er mit Sicherheit die ein oder andere an mich weiter gegeben hat, stammen also aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es darf bezweifelt werden, dass mir diese Regeln heute noch zu einem glücklichen und erfolgreichen Leben verhelfen können.
Es erscheint also sinnvoll, von Zeit zu Zeit mal eine Art Inventur in den im Unterbewusstsein wirkenden Regeln durchzuführen. Überalterte oder sogar hinderliche Regeln hatten irgendwann einmal Bedeutung. Man sollte sich liebevoll und bewusst von ihnen trennen. Je älter man wird, desto schwerer fällt diese Trennung, aber umso notwendiger ist sie auch.
„Die einheitliche Unterbringung des Schlafanzuges“ ist eine so absurde Regel, die mir die Notwendigkeit der Regelinventur vor Augen geführt hat. Übrigens liegt mein Schlafanzug schon seit Jahrzehnten nicht mehr an der vorgeschriebenen Stelle.

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