Yogahaus Dresden | Blog

14
Wenn ich morgens mein Bett mache, schießt mir seit einiger Zeit fast regelmäßig ein Gedanke in den Kopf: „Die einheitliche Unterbringung des Schlafanzuges“. Dabei handelt es sich um eine Regel, die vor 40 Jahren für mich Bedeutung hatte. Ich hatte gerade meinen Grundwehrdienst angetreten. Eine von vielen nicht nachvollziehbaren Dienstanweisungen war eben, dass alle Soldaten ihre Schlafanzüge an einem festen Platz in ihrem Bett zu deponieren haben. Aus heutiger Sicht erscheint das einfach nur absurd.
Das aber eigentlich Erschreckende ist, dass sich diese Regel immer noch in meinem Unterbewusstsein befindet und gelegentlich doch wieder zum Vorschein kommt. Und es wird nicht die einzige Regel dieser Art sein. 
Regeln bestimmen unser Leben. Sie sind wichtig. Sie erleichtern unser Leben und unser Zusammenleben. Die meisten Regeln wirken aus dem Unterbewusstsein heraus, und das daraus resultierende Handeln wird uns oftmals nicht einmal bewusst. Wir haben uns die Regeln vor allem über unsere kindliche Prägung angeeignet, aber auch aus dem Leben in den verschiedenen Gemeinschaften heraus. Sei es das Elternhaus, der Kindergarten, die Schule, der Freundeskreis, die Partnerschaft oder die Arbeitskollegen – überall herrschen Regeln, die wir verinnerlichen und die unser Handeln bestimmen.
Regeln können unbedeutend, ja sogar hinderlich werden. Nehmen wir die kindliche Prägung in den ersten sechs Lebensjahren: Als ich in dem Alter war, lebte mein Großvater in unserer Familie. Auch er hat Anteil an meiner Erziehung. Er wurde 1898 geboren. Einige seiner Lebensregeln, von denen er mit Sicherheit die ein oder andere an mich weiter gegeben hat, stammen also aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es darf bezweifelt werden, dass mir diese Regeln heute noch zu einem glücklichen und erfolgreichen Leben verhelfen können.
Es erscheint also sinnvoll, von Zeit zu Zeit mal eine Art Inventur in den im Unterbewusstsein wirkenden Regeln durchzuführen. Überalterte oder sogar hinderliche Regeln hatten irgendwann einmal Bedeutung. Man sollte sich liebevoll und bewusst von ihnen trennen. Je älter man wird, desto schwerer fällt diese Trennung, aber umso notwendiger ist sie auch.
„Die einheitliche Unterbringung des Schlafanzuges“ ist eine so absurde Regel, die mir die Notwendigkeit der Regelinventur vor Augen geführt hat. Übrigens liegt mein Schlafanzug schon seit Jahrzehnten nicht mehr an der vorgeschriebenen Stelle.

Bewertung

Kommentare

Bisher keine Kommentare, poste den ersten!

Kommentar posten

Name (Pflicht)

Email (Pflicht)

CAPTCHA-Bild
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:

 

neuste Beiträge

Zuversicht by Ravidas
Die immer wieder bewusst zu treffende Entscheidung für eine positive Lebenseinstellung ist das Fundament für das Glücklichsein.
Die Schönheit der Seele by Ravidas

Erkenntnis, Wachstum und Liebe fließen jeder Seele zu und wird von jeder Seele verströmt, vorausgesetzt, man lässt es zu

Einssein by Ravidas
Das Einssein mit sich selbst ist Voraussetzung dafür, das Einssein mit der gesamten Schöpfung zu empfinden.
Im Spannungsfeld zwischen Angst und Liebe by Ravidas
Glücklich werden kann man nur über den Weg der Liebe.
Gnade by Ravidas

Etwas als Gnade anzuerkennen und dafür dankbar zu sein macht glücklich. Das Gefühl, beschenkt worden zu sein und dass niemand dafür eine Gegenleistung erwartet, erfüllt das Herz mit einem warmen Gefühl.

Zufriedenheit by Ravidas
Zufriedenheit gibt es ausschließlich im Hier und im Jetzt. Die Magie des Augenblicks wird zerstört, sobald ich meinem Geist erlaube, auf Reisen zu gehen.

Wohlstand und Wohlbefinden by Ravidas
Wohlbefinden geht einher mit innerer Zufriedenheit und Gelassenheit
Sei dankbar für jede Enttäuschung by Ravidas

Jede Enttäuschung bringt ein Stück mehr Klarheit.

Probleme und Widerstände willkommen heißen by Ravidas
Probleme und Widerstände verlieren ihren Schrecken, wenn man sie als Freunde und als Möglichkeit, zu wachsen, annimmt. 
Der facebook-Algorithmus im Kopf by Ravidas

Es ist allein meine Entscheidung, wie ich die Welt wahrnehme.